Der Energiewende Index

Die Energiewende ist ein dynamischer Prozess, der längst begonnen hat. Der Energiewende-Index errechnet für sieben wichtige Themen, wie gut die Energiewende auf Zielkurs ist: je höher die Prozentwerte, desto besser. Die Prozentzahlen werden errechnet, indem der Ist-Wert des vergangenen Jahres mit dem Soll-Wert  einer erfolgreichen Energiewende verglichen wird: Wo müssten wir z.B. beim Ausbau der erneuerbaren Energien heute stehen, damit wir im Jahr 2020 die Energiewende-Ziele erreichen? Nur wenn bei einem Thema 100 % des Sollwerts erreicht und das Kreissegment oben komplett grün ist, sind wir auf Zielkurs. Der Index basiert mehrheitlich auf öffentlichen Zahlen. Er wird von der Umweltallianz in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Ingenieur-, Planungs- und Beratungs­unternehmen EBP jährlich aktualisiert.
 
 

Klimaschutz

Wie steht es um die Schweizer CO2-Emissionen in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Emissionen der Stromerzeugung87 %

Indikatoren

Emissionen der Energienutzung23 %

Indikatoren

Emissionen für Konsum39 %

Emissionen der Stromerzeugung

Die Emissionen der Stromerzeugung sind gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen, weil 1/3 mehr Gas verstromt wurde. Damit verlässt die Schweiz 2017 den Energiewende-Zielkurs. Erdgasbefeuerte Kraftwerke oder WKK-Anlagen haben keinen Platz in der Schweizer Stromversorgung der Zukunft.

Ist 2016:

0.26 Mio. t CO2

Soll 2016:

0.20 Mio. t CO2

87%

Emissionen der Energienutzung

Die Emissionen der Energienutzung sind witterungsbereinigt im vergangenen Jahr leicht gesunken. Die Fortschritte reichen jedoch bei weitem nicht aus für einen «Paris-verträglichen» Kurs der Schweiz. Dazu braucht es bessere Rahmenbedingungen in der aktuell beratenden CO2-Gesetz-Revision – z. B. für den Abschied von fossilen Heizungen.   

Ist 2017:

33.20 Mio. t CO2

Soll 2017:

29.57 Mio. t CO2

23%

Emissionen für Konsum

Viele hierzulande konsumierte Produkte werden im Ausland hergestellt und verursachen dort grosse CO2-Emissionen. Für eine echte Energiewende müssen wir den durch unseren Konsum verursachten CO2-Ausstoss im Inland und im Ausland verringern (und nicht bloss die klimaschädliche Produktion ins Ausland verlagern).

Ist 2015:

116.21 Mio. t CO2

Soll 2015:

70.73 Mio. t CO2

39%

 
 

Atomausstieg

Wie steht es mit dem schrittweisen Atomausstieg in der Schweiz und wie um die mit der Atomkraft verbundenen Risiken?

Indikatoren

Risiko Atomenergie0 %

Indikatoren

Produktion hochradioaktiver Abfälle19 %

Risiko Atomenergie

Die Schweizer AKW sind technisch für eine Betriebsdauer von 40 Jahren ausgelegt. Danach steigt das Störfallrisiko stark an. Jederzeit kann ein AKW-Unfall geschehen - aber die 40 Jahre Betriebszeit stellen die oberste Grenze des zumutbaren Risikos dar. Demnach müssten im Jahr 2016 drei der fünf Schweizer AKW abgeschaltet sein, weil sie über 40 Jahre alt sind. Stattdessen laufen bislang alle AKW ohne verbindliche Laufzeitbegrenzung weiter.

Ist 2017:

11024 MWth (MegaWatt thermisch)

Soll 2017:

6602 MWth (MegaWatt thermisch)

0%

Produktion hochradioaktiver Abfälle

Hochradioaktive Abfälle (HAA) stellen eine bis heute ungelöste technische, gesellschaftliche und finanzielle Herausforderung dar und werden noch für mehrere Jahrtausende Mensch und Umwelt bedrohen. Der auch 2017 fortgesetzte ungeplante Stillstand des AKW Beznau I hat diesen Verstoss gegen die Grundprinzipien der Nachhaltigkeit nur geringfügig gemindert.

Ist 2017:

41.3 tSM (Tonnen Schwermetall)

Soll 2017:

0.0 tSM (Tonnen Schwermetall)

19%

 
 

Biodiversität

Wie steht es um wesentliche messbare Indikatoren der Biodiversität in der Schweiz, die durch die Energiewende beeinflusst werden?

Indikatoren

Totholz im Wald39 %

Indikatoren

Eingriff durch neue Wasserkraftwerke28 %

Indikatoren

Ökologische Sanierung von Wasserkraftwerken9 %

Totholz im Wald

5000 Arten sind in ihrem Überleben von ausreichend Totholz im Wald abhängig. Der Anteil der Waldgebiete mit genügend Totholz ist in den letzten Jahren gestiegen aber noch längst nicht hoch genug. Die Holznutzung muss daher effizient und naturverträglich erfolgen

Ist 2014:

125 Bewertungspunkte

Soll 2014:

320 Bewertungspunkte

39%

Eingriff durch neue Wasserkraftwerke

Die Gewässer der Schweiz waren durch den weltweit höchsten Nutzungsgrad bereits vor Beginn der Energiewende übermässig durch Wasserkraft beeinträchtigt. Der Neubau von 14 Kleinwasserkraftwerken - 13 davon in schützenswerten Gewässerabschnitten - verschärft die Situation weiter.

Ist 2017:

28 Bewertungspunkte

Soll 2017:

100 Bewertungspunkte

28%

Ökologische Sanierung von Wasserkraftwerken

Die meisten Wasserkraftwerke in der Schweiz werden wichtigen Anforderungen des Gewässerschutzes nicht gerecht. Weiterhin nutzen viel zu wenige Kraftwerksbetreiber die Möglichkeit, bestehende Anlagen ökologisch zu sanieren und mit dem Qualitätslabel "naturemade star" zertifizieren zu lassen. Sein Anteil stagniert.

Ist 2017:

4.6 Prozent

Soll 2017:

20.0 Prozent

9%

 
 

Energieeffizienz

Wie steht es um die Energieeffizienz in der Schweiz in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Energieintensität der Volkswirtschaft55 %

Indikatoren

Stromverbrauch der Haushalte0 %

Indikatoren

Effizienz des Personenverkehrs0 %

Indikatoren

Effizienz der Gebäude0 %

Energieintensität der Volkswirtschaft

Die Schweizer Wirtschaft braucht seit Jahren kontinuierlich weniger Energie, um einen Franken Wirtschaftsleistung zu generieren. Das ist gut, aber noch nicht auf Zielkurs.  Hier braucht es griffige Effizienzmassnahmen in allen Sektoren.

Ist 2017:

0.448 kWh/CHF

Soll 2017:

0.437 kWh/CHF

55%

Stromverbrauch der Haushalte

Der witterungsbereinigte Stromverbrauch der Privathaushalte pro Kopf ist 2017 gestiegen! Somit liegt er weit über dem Zielpfad. Nun müssen die Stromeffizienzziele der Energiestrategie 2050 durch Massnahmen flankiert werden.

Ist 2017:

2289 kWh/Kopf

Soll 2017:

2120 kWh/Kopf

0%

Effizienz des Personenverkehrs

Der Energieverbrauch, um eine Person 1 km weit zu transportieren, geht seit Jahren zurück. Doch er ist immer noch zu hoch, weil der energieintensive Autoverkehr dominiert und die Neuwagen in der Schweiz in den letzten Jahren nicht effizienter wurden.

Ist 2016:

0.363 kWh/Pkm

Soll 2016:

0.346 kWh/Pkm

0%

Effizienz der Gebäude

Der witterungsbereinigte Pro-Kopf-Bedarf an Heizenergie ist im vergangenen Jahr erneut gesunken. Doch er bleibt für einen klimagerechten Gebäudepark viel zu hoch. Wirksame Vorgaben für Gebäude in der CO2-Gesetz-Revision,  höhere Fördersätze im Gebäudeprogramm und Mindestanforderungen an bestehende Energieschleuder-Gebäude sind nötig, um auf Zielkurs zu kommen.

Ist 2016:

5809 kWh/Kopf

Soll 2016:

5436 kWh/Kopf

0%

 
 

Erneuerbare Energien

Wie steht es um den Anteil erneuerbarer Energien in für die Energiewende wesentlichen Bereichen in der Schweiz?

Indikatoren

Anteil erneuerbarer Strom32 %

Indikatoren

Anteil erneuerbare Energien0 %

Anteil erneuerbarer Strom

Der klimabereinigte Anteil erneuerbaren Stroms ist 2017 erneut leicht angestiegen. Auf dem Pfad zu einer vollständig erneuerbaren Stromerzeugung bis 2035 sind wir damit aber noch längst nicht. Daher müssen jetzt intelligente Förderinstrumente für die Zeit nach Auslaufen der heutigen KEV entwickelt werden. 

Ist 2017:

61.7 Prozent

Soll 2017:

68.2 Prozent

32%

Anteil erneuerbare Energien

Witterungsbereinigt ist der Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch 2017 leicht zurückgegangen. Damit ist die Schweiz längst nicht mehr auf Zielkurs für einen Abschied von den klimaschädlichen und importabhängigen fossil-atomaren Energieträgern. Erneuerbare Energien müssen auch im Verkehr und in Gebäuden vermehrt fossile Energien ersetzen – u. a. indem jede alte Öl- und Gasheizung durch eine erneuerbare Heizungsanlage ersetzt wird.

Ist 2017:

22.5 Prozent

Soll 2017:

28.8 Prozent

0%

 
 

Wirtschaft und Soziales

Wie steht es um wesentliche messbare wirtschaftliche und soziale Indikatoren der Schweiz, die durch die Energiewende beeinflusst werden?

Indikatoren

Energieausgaben der Volkswirtschaft100 %

Indikatoren

Stromausgaben der Haushalte100 %

Indikatoren

Ausgaben für Energieimporte100 %

Energieausgaben der Volkswirtschaft

Von 100 Franken gibt die Schweiz weniger als 4 für Energie aus. Dieser Wert ist 2017 zwar leicht gestiegen, im internationalen Vergleich aber weiter sehr niedrig. Auch im Zuge der Energiewende werfen die Ausgaben für Energie die Schweizer Volkswirtschaft nicht aus dem Lot.

Ist 2017:

3.85 Prozent

Soll 2017:

8.00 Prozent

100%

Stromausgaben der Haushalte

Nicht einmal ein Prozent ihres Einkommens geben die Schweizer Haushalte für Strom aus. Im europäischen Vergleich gehört dies zu den tiefsten Werten. Selbst wenn die Haushaltsstrompreise steigen sollten, bleibt Elektrizität für die Schweizer bezahlbar - zumal in den Haushalten grosse Energiesparpotenziale bestehen.

Ist 2017:

0.88 Prozent

Soll 2017:

1.18 Prozent

100%

Ausgaben für Energieimporte

Dank dem 2017 weiterhin relativ niedrigen Ölpreis musste die Schweiz verhältnismässig wenig für Energieimporte ans Ausland zahlen. Trotz dieser günstigen Ausgangslage fliessen immer noch fast 6 Mrd. SFR nach Libyen & Co. Wenn die Schweiz auf Energiesparen und einheimische erneuerbare Energiequellen setzt, muss sie weniger Geld in die Öl- und Gasländer überweisen.

Ist 2017:

0.871 Prozent

Soll 2017:

1.305 Prozent

100%

 
 

Versorgungssicherheit

Wie steht es um die Sicherheit der Energieversorgung der Schweiz in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Stromausfälle100 %

Indikatoren

Gesicherte Leistung100 %

Indikatoren

Eigenversorgungsgrad35 %

Stromausfälle

Nur 20 Minuten lang kein Strom - 525'50 Minuten keine Probleme. Mit diesem Spitzenwert zeigte sich die Sicherheit der Stromversorgung im Schweizer Durchschnitt 2017. Damit bleibt die Schweiz europäische Spitze. Bei der Umstellung der Stromversorgung von Atomkraft auf Sonne, Biomasse und Wind soll und kann das so bleiben.

Ist 2017:

20 Minuten

Soll 2017:

24 Minuten

100%

Gesicherte Leistung

Auch im Moment der höchsten Stromnachfrage muss der Schweizer Kraftwerkspark noch genügend Reserven bieten. Das war auch 2017 kein Problem. 10% Sicherheit werden empfohlen; fast sechsmal so viel konnte die Schweiz aufweisen. Ein guter Wert, der durch die Energiewende nicht in Gefahr gerät.

Ist 2017:

7042 MW

Soll 2017:

1211 MW

100%

Eigenversorgungsgrad

Versorgungssicherheit bedeutet auch, möglichst wenig Energie aus unzuverlässigen Quellen wie Russland oder Libyen zu beziehen. Die Schweiz konnte 2017 witterungsbereinigt knapp ein Viertel ihres Energiebedarfs selbst bereitstellen – etwas mehr als im Vorjahr. Mit einer Energiewende auf der Basis von Effizienz und einheimischen erneuerbaren Energien würde unsere Versorgungssicherheit noch deutlich besser.

Ist 2017:

25.4 Prozent

Soll 2017:

28.9 Prozent

35%